Atomschutzübungsabend

von Günther Niederreiter

ein voller Erfolg

Atomic Age

Die 50er Jahre stehen nicht nur für Petticoat und Pomade, sondern auch für nukleare Bedrohung. Das Wettrüsten der beiden Supermächte brachte mit sich, dass die zivile Bevölkerung jederzeit für den Ernstfall vorbereitet sein musste, getreu dem Slogan Alert today, alive tomorrow!. Gleichzeitig beherrschte der nukleare Optimismus damals das Denken und den Alltag vieler US-Amerikaner. Man glaubte, dass nukleare Energiegewinnung die Zukunft sei und die Atomkraft überhaupt auf eine durchweg produktive Art genutzt werden könne. Sei es zur Haltbarmachung von Lebensmitteln oder zur Entwicklung nuklearer Medikamente. Nicht unerwähnt bleiben dürfen hier natürlich die zahlreichen Atomtests, die jedoch als technischer Fortschritt hin zu Wohlstand und Frieden propagiert wurden.
Vor allem die Werbe- und Unterhaltungsindustrie bediente sich damals nur all zu gerne der nuklearen Metaphorik. Egal, ob Automobil oder Küchenmaschine, ob Imbissbude oder Bekleidung, überall findet man Design und Schriftzüge angelehnt an die Kernspaltung. So wurde zum Beispiel auch der Bikini nach dem gleichnamigen Atoll benannt, nachdem diese neuartige Badebekleidung 1946, nur wenige Tage nach einem Atombombentest in der Südsee, auf einer Pariser Modeschau vorgeführt wurde.files/boogie-baeren/verein/Veranstaltungen/2010_05_01_UA-Atomic-Age/Atomic-age-0013.JPG
Fakten, die heutzutage vielen Leuten nicht mehr bekannt sind und in unserer vermeintlich sicheren Zeit oft ignoriert werden.

Daraus ergab sich die Idee einen Übungsabend dahingehend zu gestalten um auch einmal diese Facette einer für unseren Verein bedeutenden Ära zu beleuchten. Die räumlichen Gegebenheiten des Vereinsheims schienen für die Dekorationsidee in Form eines komfortablen Atomschutzbunkers, in welchem man auf nichts zu verzichten braucht, geradezu ideal. Das präsentierte Bild- und Filmmaterial gab übrige Einblicke in den skurrilen, teils auch sarkastischen Umgang mit der drohenden Gefahr eines atomaren Krieges. Der DJ, Mr. Rössert, alias John Q. Public, lieferte mit Liedern wie You Hit Me Baby Like An Atom Bomb, Radioactive Mama oder Rock H-Bomb Rock, den entsprechenden musikalischen Rahmen. Mr. Koch, der files/boogie-baeren/verein/Veranstaltungen/2010_05_01_UA-Atomic-Age/Atomic-age-0010.JPGDekontaminationsbeauftragte im Eigangsbereich, stellte mit seinem Geigerzähler sicher, dass auch niemand eine Gefahr für die Bunkergemeinschaft darstellte. Eine durchgehend gefüllte Tanzfläche zeigte, dass diese Art der atomaren Aufklärung einen großen Anklang fand. Die Ernährungsbeauftragten hinter der Bar sorgten ungebremst für die kontrollierte Flüssigkeits- und Kalorienzufuhr. Beides in einem ließ sich geschickt durch den Genuss eines Atomic Float decken, aus dessen Erlös wir wiederum das Spendenschwein zufriedenstellend füttern konnten. Der Bop Wettbewerb, bei welchem jeder Teilnehmer soviel (nukleare?) Energie aufbrachte, dass die Ermittlung eines Siegers nicht möglich war und wir schließlich die ganze kritische Masse mit einem Float belohnten, bereitete hoffentlich auch den Zuschauern soviel Freude, dass sie beim nächsten Mal aktiv daran teilnehmen. Zu guter Letzt zeugte die spontan entstandene Jam Session noch von der guten Stimmung des Abends.

An dieser Stelle sei noch einmal allen HelferInnen, aber auch den TeilnehmerInnen gedankt, denn eine Party ohne Gäste ist wie ein Bunker ohne Vorräte.

Stephanie Rapf

 

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